Mehr als 70 LGBT*-Personen wurden festgenommen. Fordere Tunesien jetzt auf, diese staatliche Repression zu beenden.
Seit Juli 2025 erlebt Tunesien eines der dunkelsten Kapitel seit der Revolution. Die Regierung hat eine brutale Kampagne gegen LGBT*-Personen und zivilgesellschaftliche Organisationen gestartet – sie werden verhaftet, zum Schweigen gebracht und die letzten bestehenden Freiräume werden systematisch zerstört.
Mehr als 70 LGBT*-Personen, darunter überwiegend trans* Frauen, wurden aufgrund vermeintlicher „Moral“-Gesetze festgenommen, die gleichgeschlechtliche Beziehungen und geschlechtliche Selbstbestimmung unter Strafe stellen. Mindestens 32 von ihnen wurden bereits zu Haftstrafen von bis zu drei Jahren verurteilt. Viele wurden allein deshalb festgenommen, weil sie Kondome bei sich hatten, private Nachrichten auf Dating-Apps verschickten oder Kleidung trugen, die angeblich „nicht den staatlich verordneten Geschlechternormen entsprach“.
Gleichzeitig haben die Behörden einige der wichtigsten Menschenrechts- und feministischen Organisationen des Landes suspendiert oder mit Auflösung bedroht – darunter die Association tunisienne des femmes démocrates (ATFD), das Forum tunisien pour les droits économiques et sociaux (FTDES) sowie unabhängige Medien wie Nawaat. Diese Schließungen sollen Aktivist*innen, Journalist*innen und alle mundtot machen, die es wagen, ihre Stimme zu erheben.
Das sind keine Einzelfälle, sondern eine koordinierte staatliche Politik, die darauf abzielt, Meinungsfreiheit auszulöschen, unabhängige Stimmen zu zerschlagen und die LGBT*-Community zu terrorisieren. Damj, eine der wenigen verbliebenen Organisationen, die sich noch für die Rechte von LGBT* in Tunesien einsetzen, hat einen „queeren Notstand“ ausgerufen, um die verletzlichsten Menschen zu schützen.
Wir müssen jetzt handeln, um weitere Verhaftungen, Folter und Versuche zu verhindern, diejenigen zum Schweigen zu bringen, die für Gleichstellung kämpfen. Die Welt darf nicht schweigen, während Tunesien die letzten Reste seiner Demokratie zerstört.
Gemeinsam zeigen wir den tunesischen Entscheidungsträger*innen, dass die Welt hinsieht – und dass Menschenrechte nicht verhandelbar sind.